Mittwoch, 7. Dezember 2016

La Bohème - fantastisch speisen in Schwabing

Für mich als S-Bahn-abhängiges Münchner Kindl (manche würden es auch als aus dem Outback kommend nennen) ist Schwabing eigentlich so grob der Bereich zwischen U-Bahn Giselastraße und Münchner Freiheit. Ich wurde neulich eines Besseren belehrt, und zwar als eine Einladung für das neu eröffnete Restaurant "La Bohème" in mein Emailpostfach flatterte. Denn dort, wo früher die Metro (die ich sogar kannte. Von innen!) stand, entsteht gerade das "Schwabinger Tor", ein neues Stadtquartier mit Bürogebäuden, Wohnhäusern und Restaurants.
Nach einer abenteuerlichen Anreise (wer von der U-Bahn laufen will: bitte rechtzeitig auf die linke Straßenseite wechseln, der Bürgersteig rechts verschwindet einfach plötzlich) bin ich dann doch wohlbehalten im "La Bohème" angekommen. Die Inneneinrichtung wirkt schick aber nicht abgehoben: Hohe, teils unverputzte Wände, viel Kupfer, Kronleuchter, Holz und Leder. Gefällt mir. Auf der Toilette darf man sich mit einem weißen Edding austoben und die Wände bemalen. Gefällt mir auch!
Ein Blick in die Speisekarte verrät, dass man hier nicht arm werden muss, wenn man essen geht. So findet man neben Loup de Mer und argentinischem Rinderfilet wie selbstverständlich auch Flammkuchen oder Ofenbrote. Besonders den Sonntagsbruch für 19 Euro muss ich mir bei Gelegenheit mal live anschauen.


Los ging's mit einem amuse bouche (ich musste tatsächlich grade nach dem Unterschied zwischen amuse bouche und amuse gueule googlen und feststellen: es gibt keinen), gefolgt von Schwarzwurzel mit Herbsttrompeten und Wildkräutern. Wer es, wie ich, ebenfalls noch nie gehört hat: Herbsttrompeten sind Pilze. (Ich musste gerade nochmal bei Wikipedia nachlesen. Die Pilze heißen sonst Toten-Trichterling, aber ich glaube, das macht sich nicht so gut auf der Speisekarte... :D)
Zu jedem Gang gab's natürlich den passenden Wein, von dem ich leider nur nippen konnte, weil ich später noch mit dem Auto fahren musste.
Den Garnelentatar mit Kokos-Madrascurrysuppe mochte ich allein schon für die Art des Servierens (und er schmeckte natürlich wie alles im La Bohème ganz vorzüglich):
Weiter ging's mit einem Onsen-Ei auf Babyspinat mit Nussbutterhollondaise und hauchfein geriebenem schwarzen Trüffel. Onsen-Eier kannte ich bis dato nicht in live und hätte sie mir vermutlich beim Essengehen auch nie einfach mal so bestellt - ein großer Fehler! Anders als bei gekochten Eiern wird das Eigelb nicht bröselig, sondern hat seine ganz eigene Konsistenz und hinterlässt ein unglaublich samtiges Gefühl auf der Zunge. Unbedingt mal probieren!
Ein Novum für mich: Meeräsche mit Graupenrisotto. Ich hatte tatsächlich vorher noch nie Graupen gegessen. (Hallo Mama da draußen, wenn du das liest: Graupen sind echt lecker!)
Es folgte mein Highlight des Abends, das Rinderfilet. Der Rosmarin wurde vom Geschäftsführer Michael Urban am Tisch kurz angeflammt (und die Chemikerin in mir ist eventuell etwas neidisch auf diesen coolen Brenner). Das Fleisch war unglaublich zart und saftig und ich sehr froh, dass es von diesem Gang noch Nachschlag gab.
Den krönenden Abschluss dieses Abends stellte dann noch ein Fondant au chocolat mit Tonkabohneneis dar. Tonkabohne hatte ich irgendwie den Sommer über gar nicht mehr auf dem Schirm, wie konnte ich nur! Sooo lecker!

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für diesen schönen Abend bedanken. Ich komme auf jeden Fall wieder. Und falls ihr demnächst mal in München sein solltet, schaut definitiv im "La Bohème" vorbei.

La Bohème Schwabing
Leopoldstraße 180
80804 München

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